Erwachendes Nationalbewusstsein
Vereinigung und Königreich Rumänien
Die Jahre zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg
Angesichts des
Einfalls germanischer Völker zog sich die Verwaltung des römischen
Reichs aus Dakien zurück. Die letzten Stellungen nördlich der Donau
wurden während der Regierungszeit Aurelians (270–275) aufgegeben. Es
folgten mehrere Wellen von Wanderungsbewegungen, darunter im 7.
Jahrhundert die der Slawen, überwiegend Siedler, die das Tiefland
des heutigen Rumäniens kolonisierten. Sie kamen in Kontakt mit der
dako-romanischen Bevölkerung, die größtenteils im Hochland lebte,
und wurden nach jahrhundertelangem Zusammenleben schließlich
assimiliert. Auch viele Kriegerstämme zogen durch das rumänische
Territorium, so die Hunnen, die Protobulgaren, die Magyaren im 9.
Jahrhundert und die Tataren im 13. Jahrhundert.
Es gibt keine
schriftlichen Nachweise für die Existenz von „Proto-Rumänen“ in der
Gegend nördlich der Donau für das Jahrhundert nach Roms Rückzug aus
Dakien. Es gibt aber wohl auch keinen Beweis für das Gegenteil.
Dieser Umstand hat jahrhundertelang die Fehde um Siebenbürgen
zwischen rumänischen und ungarischen Historikern angefacht.
Einige Historiker
behaupten, die Rumänen stammten in Wirklichkeit nicht von den
romanisierten Dakern ab, sondern kämen von südlich der Donau und
hätten sich im heutigen Gebiet Rumäniens niedergelassen.
Andere Historiker
erklären das Fehlen schriftlicher Beweismaterialen mit dem Fehlen
einer organisierten lokalen Verwaltung bis zum 12. Jahrhundert, und
dadurch, dass die Mongolen beim Plündern des Gebiets im Jahr 1241
jegliche existierenden Aufzeichnungen vernichtet hätten.
Ungarische Migration
Im Jahr 896 ließen
sich die Magyaren im zentralen Karpatenbecken nieder, nachdem sie
zuvor von den Bulgaren unter Zar Simeon und den Petschenegen in
Bessarabien vernichtend geschlagen wurden. Ein Jahrhundert später
dehnte Stephan I. das ungarische Königreich auf Siebenbürgen aus.
Die Ungarn bauten Festungen, gründeten ein römisch-katholisches
Bistum und begannen die dort angesiedelte Szekler-Bevölkerung zu
missionieren. Es gibt Zweifel, dass unter den missionierten sich
auch Rumänen befanden, da diese bereits christlich waren und nach
dem Morgenländischen Schisma der östlichen orthodoxen Kirche treu
blieben. Stephan und seine Nachfolger warben deutsche und ungarische
Siedler an, um sich in der Region niederzulassen.
Die Siedler kamen
teilweise von weit her, darunter Szekler und der aus Palästina
zurückkehrende Deutsche Orden, der Kronstadt (rumänisch Braşov)
gründete, dann aber nach einem Konflikt mit dem König 1225 in die
Ostseeregion umsiedelte. Ungarns Könige förderten die Loyalität der
Kolonisten, indem sie ihnen Land, Handelsprivilegien und ein
beträchtliches Maß an Autonomie gewährten. Der Adelsstand war auf
Katholiken beschränkt, und während rumänische Adlige zur
römisch-katholischen Konfession konvertierten (was schließlich zu
derer Magyarisierung führte), um ihre Privilegien zu bewahren,
wurden viele orthodoxen Rumänen Leibeigene, sowie auch zahlreiche
Ungarn und in geringem Anteil auch Sachsen, die auf dem
Komitatsboden lebten bzw. von ungarischen Adligen im Rahmen der
sogenannten „Innenkolonisation“ dort angesiedelt wurden.
1241 fielen die
Mongolen von Norden und Osten her über die Karpaten in Siebenbürgen
ein. Sie schlugen die Truppen Bélas IV. in die Flucht, brannten in
Siebenbürgen und Zentralungarn die Siedlungen nieder und ermordeten
einen Teil der Bevölkerung. Als die Mongolen sich 1242 schlagartig
wieder zurückzogen, startete Béla ein energisches
Wiederaufbauprogramm. Er lud weitere Fremde ein, sich in
Siebenbürgen und anderen verwüsteten Regionen des Königreichs
niederzulassen, gewährte lokalen Adligen Land und ordnete an,
Festungen aus Stein zu errichten. Bélas Wiederaufbaubemühungen und
das Aussterben der Árpáden-Dynastie 1301 verschob die
Machtverhältnisse in Ungarn signifikant. Der Einfluss des Königs
sank, und rivalisierende Magnaten errichteten für sich kleinere
Königreiche, enteigneten Bauernland und verschärften die feudalen
Pflichten.
Mittelalterliche Staaten
Frühe rumänische
Staaten bildeten sich im 10. und 11. Jahrhundert heraus und
erscheinen in historischen Quellen unter den Namen Wlachen. Die
meisten dieser Staatsgebilde waren kleine Königreiche, die
gewöhnlich nach dem Tod ihrer Oberhäupter zerfielen.
Walachei und Moldau
Die Legende besagt,
dass 1290 Negru Vodă, ein führender rumänischer Adliger, Fogarasch
im Süden Siebenbürgens zusammen einer Gruppe Adliger verließ und im
Gebiet zwischen den südlichen Karpaten und der Donau „Ţara
Românească“ gründete. Der Name heißt wörtlich „Rumänisches Land“,
bezeichnet tatsächlich die Walachei. Das Wort Walachei ist von dem
slawischen Wort Vlach, dieses wiederum vom germanischen Walh
abgeleitet, das ursprünglich „Fremder“ und dann „Römer“, „Lateinsprechender“
hieß.
Eine zweite
Legende erzählt, dass ein rumänischer Woiwode namens Dragoş die
Karpaten überquerte und sich mit anderen Rumänen in der Ebene
zwischen den Bergen und dem Schwarzen Meer niederließ. Zu ihnen
stieß 1349 ein siebenbürgischer Woiwode namens Bogdan, der gegen
seinen Lehnsherrn rebellierte und sich am Fluss Moldova niederließ,
der der Moldau ihren Namen gibt. Bogdan erklärte ein Jahrzehnt
später die moldauische Unabhängigkeit von Ungarn. Die
zurückgebliebenen rumänischen Adligen in Siebenbürgen nahmen
schließlich die ungarische Sprache und Kultur an. Die rumänischen
Leibeigenen in Siebenbürgen sprachen weiterhin Rumänisch und blieben
beim orthodoxen Glauben; sie waren aber machtlos, sich der
ungarischen Beherrschung zu entziehen.
Walachei und
Moldau gewannen im Laufe des 14. Jahrhunderts allmählich an Macht,
einer für Südosteuropa friedlichen und wohlhabenden Zeit. Fürst
Basarab I. der Walachei (ca. 1330–1352) musste, obwohl ihm 1330 ein
Sieg gegen Karl I. gelang, die ungarischer Oberhoheit anerkennen.
Der Patriarch der orthodoxen Kirche in Konstantinopel dagegen
richtete einen kirchlichen Sitz in der Walachei ein und ernannte
einen Metropoliten. Die Anerkennung durch die Kirche bestätigte den
Status der Walachei als Fürstentum, und die Walachei befreite sich
1380 von der ungarischen Oberhoheit.
Die Fürsten von
Walachei und Moldau hatten fast absolute Macht; nur der Fürst hatte
die Macht, Landbesitz zu verteilen und Adelstitel zu verleihen.
Versammlungen der Adligen, oder Bojaren, und der höhere Klerus
wählten Fürsten auf Lebenszeit, und das Fehlen eines
Nachfolgegesetzes bereitete eine fruchtbare Atmosphäre für Intrigen.
Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert findet man in der Geschichte der
Fürstentümer reichlich Stürze von Fürsten durch rivalisierende
Parteien, die oft von Fremden unterstützt wurden. Die Bojaren waren
von der Steuerzahlung ausgenommen, mit Ausnahme von Abgaben auf die
Hauptquellen landwirtschaftlichen Vermögens. Obwohl die Bauern einen
Teil ihrer Erträge in Naturalien an die lokalen Adligen abgeben
mussten, war ihnen, abgesehen von ihrer untergeordneten Stellung,
nie das Recht vorenthalten, Grund und Boden zu besitzen oder
umzusiedeln.
Siebenbürgen
In Siebenbürgen
erholte sich das wirtschaftliche Leben nach der mongolischen
Invasion rasch. Neue, von den deutschen Kolonisten aus Westeuropa
mitgebrachte Anbaumethoden kurbelten den Ernteertrag an. Handwerker
bildeten Zünfte, als das Handwerk erblühte; Gold-Silber- und Salzabbau wurde ausgedehnt, und geldbasierte Geschäftsabschlüsse
ersetzten den Naturalientausch.
Wenngleich die
Stadtbewohner dank königlicher Privilegien und im Einklang mit dem
mittelalterlichen Stadtrechte von feudalen Pflichten ausgenommen
waren, dehnte sich der Feudalismus aus, und Adlige verschärften die
Verpflichtungen. Die Leibeigenen rebellierten gegen die höheren
Zahlungen; einige verließen das Land, während andere Gesetzlose
wurden. 1437 erhoben sich rumänische und ungarische Bauern gegen
ihre Feudalherren. Der Aufstand gewann Fahrt, wurde aber schließlich
mit großem Aufwand von den vereinigten Kräften der ungarischen
Adligen sowie der Unterstützung durch die Sachsen und Sekler in
Siebenbürgen niedergeschlagen. Daraufhin wurde die Union der drei
Nationen (ungarischer Adel, Nationsuniversität der Sachsen und
Sekler), die gelobte, ihre Privilegien gegen jegliche Macht außer
der des ungarischen Königs zu verteidigen.
Das Dokument
erklärte die Ungarn, Deutschen und Szekler zu den einzigen
anerkannten Nationalitäten in Siebenbürgen. Von da an waren alle
anderen Nationalitäten dort, vor allem die Rumänen, nur „toleriert“.
Der Adel bürdete seinen Leibeigenen allmählich noch härtere
Bedingungen auf. 1437 beispielsweise musste jeder Leibeigene einen
Tag im Jahr zur Erntezeit für seinen Lehnsherrn ohne Bezahlung
arbeiten; 1514 mussten Leibeigene einen Tag pro Woche für ihren
Herrn arbeiten, mit ihren eigenen Tieren und Werkzeugen.
Osmanische Oberhoheit

Im 14. Jahrhundert
dehnte sich das Osmanische Reich von Kleinasien auf die
Balkanhalbinsel aus. Die Osmanen überquerten 1352 den Bosporus und
besiegten 1389 die Serben bei Kosovo Polje. Die Überlieferung besagt,
dass der walachische Fürst Mircea cel Bătrân (1386–1418) sein Heer
in den Kosovo schickte, um dort an der Seite der Serben zu kämpfen.
Ihm gelang es auch vorübergehend, eine gewisse Machtstellung südlich
der Donau aufzubauen. Dies nahm allerdings 1393 ein Ende, als
Bayezid I. den bulgarische Tzarat von Tarnovo eroberte. Nun wurde
das „Rumänische Land“ Walachei direkter Nachbar des Osmanischen
Reiches an der Donau. Bayezid I. setzte seine Kampagne gen Norden
fort: 1394 überquerte er die Donau, drang in die Walachei ein, doch
Mircea brachte ihm am 10. Oktober 1394 in der Schlacht von Rovine
eine empfindliche Niederlage bei. 1395 schloss Mircea in Braşov eine
Allianz mit dem ungarischen König Sigismund von Luxemburg ab.
Folglich schloss er sich 1396 mit seinem Heer einem Kreuzzug an, der
vom ungarischen König Sigismund initiiert worden war. Der Feldzug
endete in einer Katastrophe: die Osmanen schlugen Sigismunds Armee
1396 in der Schlacht von Nikopolis im heutigen Bulgarien in die
Flucht. Bestärkt durch diesen Sieg, drangen die Osmanen im folgendem
Jahr wieder in die Walachei ein, doch warf Mircea erneut die
türkische Expedition über die Donau zurück. Ein weiterer osmanischer
Versuch, die Walachei zu erobern, wurde von Mircea und seinem Heer
1400 wieder erfolgreich abgewehrt.
1402 bekam die
Walachei einen Aufschub vom Druck durch das Osmanische Reich, da der
mongolische Führer Tamerlan von Osten her in Kleinasien
einmarschierte, den Sultan tötete und einen Bürgerkrieg verursachte.
So gelang Mircea 1404 sogar, die an die Türken verlorene Provinz
Dobrudscha zurück zu erobern. Als nach dem Osmanischen Interregnum
wieder Ordnung im Reich einkehrte, erneuerten die Osmanen ihren
Angriff auf die Walachei. Gegen das Ende seiner Herrschaft 1417
schloss Mircea mit Sultan Mehmed I. ein Abkommen, wodurch er mit
einer jährlichen Tributszahlung von 3000 Goldmünzen die
Selbständigkeit seines Landes erkaufte. Brăila, Giurgiu und Turnu
fielen bis 1829 direkt an das Osmanische Reich.
Nach Mirceas Tod
1418 erlebten die Walachei und die Moldau eine Phase des Verfalls.
Nachfolgekämpfe, polnische und ungarische Intrigen sowie Korruption
produzierten eine Serie von elf Fürsten innerhalb von nur 25 Jahren.
So wie die osmanische Bedrohung zunahm, wurden die Fürstentümer
geschwächt. 1444 schlugen die Osmanen abermals einen europäischen
Feldzug bei Warna im heutigen Bulgarien. Als Konstantinopel im Jahr
1453 erobert wurde, schnitten die Osmanen die genuesischen und
venezischen Galeeren von den Schwarzmeerhäfen ab. Der Handel ging
zurück und die Isolation der rumänischen Fürstentümer nahm zu,
obwohl sie im Gegensatz zu den weiter südlichen liegenden Ländern
des Balkan der direkten osmanischen Herrschaft entkommen konnten.
Zu dieser Zeit
wurde Johann Hunyadi Reichsverweser von Ungarn. Hunyadi, ein Held
aus den Türkenkriegen, mobilisierte Ungarn gegen die Osmanen und
rüstete eine Söldnerarmee aus, die erstmals aus einer dem
ungarischen Adel auferlegten Steuer finanziert wurde. Er erzielte
1456 vor Belgrad einen durchschlagenden Sieg über die Türken, starb
aber bald nach der Schlacht an der Pest.
In einem seiner
letzten Schritte brachte Hunyadi Vlad Ţepeş (1456–1462) auf den
Thron der Walachei. Vlad wurde dafür bekannt, Feinde auf grausame
Art hinzurichten. Er hasste die Türken und forderte den Sultan
heraus, indem er seine Tributzahlungen verweigerte. 1461 versuchte
Hamsa Pascha ihn in eine Falle zu locken, aber der walachische Fürst
entdeckte den Verrat, ließ Hamsa und seine Männer gefangennehmen und
pfählen. Sultan Mehmed II. marschierte später in die Walachei ein
und zwang Vlad ins Exil nach Ungarn. Vlad kehrte noch einmal
kurzzeitig auf den Thron zurück, starb aber wenig später, woraufhin
der Widerstand der Walachei gegen die Osmanen sich abschwächte.
Die Moldau und ihr
Fürst Ştefan cel Mare (Stefan der Große, 1457–1504) waren die letzte
Hoffnung des Fürstentums, der Bedrohung durch das Osmanische Reich
zu begegnen. Stefan stellte aus der Bauernschaft der Moldau eine
55000 Mann starke Armee auf und schlug das eindringende Herr des
ungarischen Königs Matthias Corvinus in einem zurück. Stefans Heer
marschierte 1471 in die Walachei ein und besiegte die
zurückschlagende osmanische Armee 1473 und 1474. Nach diesen Siegen
bat Stephan Papst Sixtus IV., eine christliche Allianz gegen die
Türken zusammenzurufen. Der Papst antwortete, indem er Stefan als
Athleta Christi würdigte, aber er ließ dessen Forderung nach einem
vereinigten Vorgehen des Christentums ungeachtet. Während der
letzten Jahrzehnte von Stefans Regierungszeit erhöhen die Osmanen
den Druck auf die Moldau. Sie nahmen 1484 wichtige Schwarzmeerhäfen
ein und setzten 1485 die Hauptstadt der Moldau, Suceava, in Brand.
Stefan gelang im darauffolgenden Jahr noch einmal ein Sieg,
beschränkte seine Bemühungen um die Unabhängigkeit der Moldau dann
aber auf das diplomatische Terrain. Auf seinem Todesbett soll er
seinem Sohn angeraten haben, sich den Türken zu unterwerfen, wenn
sie eine ehrenhafte Oberhoheit anbieten sollten. Nachfolgekämpfe
schwächten die Moldau nach seinem Tod.
1514 kam es
infolge von Ausbeutung durch den Adel und einem schlecht geplanten
Kreuzzug zu einer ausgedehnten Bauernrevolte in Ungarn und
Siebenbürgen. Gut ausgerüstete Bauern unter György Dózsa plünderten
Güter im ganzen Land. Trotz ihrer großen Zahl waren die Bauern
jedoch schlecht organisiert und erlitten bei Timişoara eine
entscheidende Niederlage. Dózsa und die anderen Anführer wurden
gefoltert und hingerichtet. Nach dem Aufstand erließ der ungarische
Adel Gesetze, die die Leibeigenen für immer an ihre Scholle
fesselten und ihre Arbeitspflichten erhöhten.
Da nun Leibeigene
und Adel tief voneinander entfremdet waren und verschiedene Magnaten
mit dem König um die Macht konkurrierten, wurde Ungarn verwundbar
für einen Angriff von außen. Die Osmanen stürmten 1521 Belgrad,
schlugen 1526 eine ungarische Armee bei Mohács und eroberten 1541
Buda. Sie installierten einen Pascha für die Regierung
Zentralungarns; die Habsburger kontrollierten Teile des nördlichen
und westlichen Ungarns. Siebenbürgen wurde ein autonomes Fürstentum
unter osmanischer Oberhoheit.
Nach dem Fall
Budas erlebte Siebenbürgen, wenn auch ein Vasallenstaat der Hohen
Pforte, eine Phase weitreichender Autonomie. Als Vasall zahlte
Siebenbürgen einen jährlichen Tribut an die Pforte und gab
militärische Unterstützung; im Gegenzug versprachen die Osmanen,
Siebenbürgen vor äußeren Bedrohungen zu beschützen. Einheimische
Fürsten regierten Siebenbürgen von 1540 bis 1690. Siebenbürgens
mächtige, größtenteils ungarische, regierenden Familien, deren
Stellung ironischerweise durch Ungarns Zerfall gestärkt wurde,
wählten gewöhnlich den Fürsten, die von der Pforte bestätigt werden
mussten; in einigen Fällen ernannten die Osmanen jedoch von
vornherein den Fürsten. Die siebenbürgische Ständeversammlung wurde
ein Parlament, und der Adel erneuerte die Union der drei Nationen,
die immer noch die Rumänen von der politischen Macht ausschloss. Die
Fürsten ergriffen Maßnahmen, um die siebenbürgischen Rumänen von
denen in der Walachei und in der Moldau zu trennen und verboten
orthodoxen Priestern, Siebenbürgen von der Walachei aus zu betreten.
Nach Ungarns
Zusammenbruch verbreitete sich die protestantische Reformation rasch
in Siebenbürgen, und die Region wurde eine von Europas
protestantischen Hochburgen. Siebenbürgens Deutsche nahmen das
Luthertum an und viele Ungarn konvertierten zum Kalvinismus. Jedoch
gelang es den Protestanten - die Katechismen in rumänischer Sprache
drucken und verteilen ließen - kaum, die Rumänen aus der Orthodoxie
anzulocken. 1571 verabschiedene der siebenbürgische Landtag ein
Gesetz, das vier Religionen in siebenbürgischen Glaubensfreiheit und
gleiche Rechte zubilligte: der Römisch-katholischen, lutherischen,
kalvinistischen und unitarischen. Das Gesetz war eines der ersten
seiner Art in Europa, aber die dadurch verkündete religiöse
Gleichstellung war beschränkt. Orthodoxe Rumänen waren
beispielsweise in ihrer Religionsausübung frei, aber politische
Gleichstellung genossen sie nicht.
Nach der Eroberung
Budas durch die Osmanen wuchs der Druck des Osmanischen Reiches auch
auf die Walachei und Moldau: in den darauffolgenden 170 Jahren
gerieten die zwei rumänischen Fürstentümer graduell unter immer mehr
Abhängigkeit von der Hohen Pforte, wenn auch ihr Status der eines
Vasallenstaates blieb: gegen die Zahlung eines immer höher werdenden
Tributs sicherten sich die Walachei und Moldau eine weitreichende
innere Selbständigkeit und – bis in den 18. Jahrhundert – sogar
einen gewissen Spielraum in der Außenpolitik. Die Osmanen wählten
die walachischen und moldauischen Fürsten unter den Söhnen von
adligen Geiseln oder Flüchtlingen. Wenige Fürsten starben eines
natürlichen Todes, aber während ihrer Regierungszeit lebten sie in
großem Luxus. Wie im Falle Siebenbürgens verpflichteten sich die
zwei Fürstentümer auch zu militärischer Unterstützung gegenüber der
Hohen Pforte und bekamen im Gegenzug das Versprechen der Osmanen,
vor äußeren Bedrohungen beschützt zu werden.
Der letzte
rumänische Nationalheld, bevor Türken und Griechen allmählich ihren
Würgegriff auf die Fürstentümer schlossen, war der Walache Mihai
Viteazul (Michael der Tapfere, 1593–1601). Nachdem er inthronisiert
war, nahm sein Heer mehrere osmanische Festungen ein. Mihais Ziel
war letztendlich die völlige Selbständigkeit: zu diesem Zweck 1598
gelobte er zuerst dem römisch-deutschen Kaiser Rudolf II. die Treue.
Ein Jahr später nahm Mihai Siebenbürgen ein, und sein Sieg reizte
die siebenbürgischen Bauern zur Rebellion. Mihai war jedoch mehr
daran interessiert, sich beim siebenbürgischen Adel beliebt zu
machen, weniger daran, aufsässige Leibeigene zu unterstützen. Er
unterdrückte den Aufstand und hielt die Union der drei Nationen
aufrecht. Trotz der Versprechen des Fürsten misstrauten die Adligen
ihm. 1600 schließlich eroberte Mihai die Moldau.
Im Jahr 1600
regierte das erste Mal ein rumänischer Fürst über alle Rumänen in
der Walachei, in Siebenbürgen und der Moldau. Mihais Erfolg
schreckte Rudolf auf. Der Kaiser stachelte den siebenbürgischen Adel
zur Revolte gegen den Fürsten auf, und gleichzeitig fiel Polen in
die Moldau ein. Mihai konsolidierte seine Kräfte in der Walachei,
leistete bei Rudolf Abbitte und stimmte einem Feldzug zusammen mit
Rudolfs General Giorgio Basta zu, mit dem Siebenbürgen von
aufmüpfigen ungarischen Adligen zurückgewonnen werden sollte. Nach
ihrem Sieg ließ Basta Mihai wegen angeblichen Verrats umbringen.
Mihai Viteazul (Michael der Tapfere) wurde in der Legende
eindrucksvoller als er in seinem Leben war, und seine kurzzeitige
Vereinigung der rumänischen Territorien inspirierte später die
Rumänen, um ihre kulturelle und politische Einheit zu kämpfen.
In Siebenbürgen
verfolgte Bastas Armee Protestanten und enteignete illegal ihren
Besitz, bis Stephan Bocskay (1605–1607), ein früherer Unterstützer
der Habsburger, eine Armee einberief, die die kaiserlichen Truppen
aus dem Land trieb. 1606 unterschrieb Bocskay mit den Habsburgern
und den Osmanen Friedensverträge, die ihm seine Stellung als Fürst
von Siebenbürgen sicherten, religiöse Freiheit garantierten, und die
Autonomie Siebenbürgens erweiterten.
Nach Bocskays Tod
und der Regierungszeit des tyrannischen Gabriel Báthory (1607–1613)
zwang die Pforte die Siebenbürgen, Gábor Bethlen (1613–1629) als
Fürst zu akzeptieren. Siebenbürgen erlebte ein goldenes Zeitalter
unter Bethlens aufgeklärten Despotismus. Er förderte Landwirtschaft,
Handel und Industrie, ließ neue Bergbauminen eröffnen, schickte
Studenten zu protestantischen Universitäten im Ausland und verbot
Grundherren, den Kindern ihrer Leibeigenen eine Ausbildung zu
versagen.
Nachdem Bethlen
gestorben war, machte der siebenbürgische Landtag die meisten seiner
Reformen rückgängig. Bald darauf wurde György Rákóczi I. (1630–1640)
Fürst. Wie Bethlen schickte Rákóczi siebenbürgische Truppen in den
Dreißigjährigen Krieg, um auf Seiten der Protestanten zu kämpfen; im
Westfälischen Frieden wurde Siebenbürgen als souveräner Staat
erwähnt. Das goldene Zeitalter endete, nachdem György Rákóczi II.
(1648–1660) einen unglücklichen Angriff auf Polen gestartet hatte,
ohne dies vorher mit der Pforte oder mit dem Landtag abzusprechen.
Eine türkische und tatarische Armee schlug Rákóczis Heer und
besetzte Siebenbürgen. Für die übrige Zeit seiner Unabhängigkeit
musste Siebenbürgen eine Reihe schwacher Führer erdulden, und durch
das ganze 17. Jahrhundert hindurch blieben seine rumänischen Bauern
in Armut und Unwissenheit.
Während der kurzen
Amtszeit Mihais und den frühen Jahren osmanischer Oberhoheit änderte
sich die Landverteilung innerhalb der Walachei und Moldau
dramatisch. Über die Jahre gewährten walachische und moldauische
Fürsten örtlichen Bojaren Landbesitz im Gegenzug für militärische
Dienste, so dass im 17. Jahrhundert kaum noch Land übrig war. Auf
der Suche nach Wohlstand begannen Bojaren auf Bauernland
überzugreifen, und ihre militärische Loyalität dem Fürsten gegenüber
ließ nach. In der Konsequenz breitete sich die Leibeigenschaft aus,
erfolgreiche Bojaren wurden mehr Höflinge als Krieger, und eine
zwischenliegende Klasse von verarmten niedrigen Adligen entwickelte
sich. Möchtegern-Fürsten waren gezwungen, sich mit enormen
Bestechungsgeldern den Weg zur Macht zu bahnen, und das Bauernleben
wurde durch Steuern und Eintreibungen noch erbärmlicher. Jeder
Fürst, der das Leben der Bauern zu verbessern suchte, riskierte
einen finanziellen Rückstand, der Rivalen ermöglichen konnte, ihn
bei der Pforte auszustechen und sich seines Postens zu bemächtigen.
1632 wurde Matei
Basarab (1632–1654) der letzte aus der vorherrschenden walachischen
Familie auf dem Thron; zwei Jahre später wurde Vasile Lupu
(1634–1653), ein Mann albanischer Herkunft, Fürst der Moldau. Die
Eifersüchtigkeiten und der Ehrgeiz von Matei und Vasile untergruben
die Stärke der beiden Fürstentümer zu einer Zeit, als die Macht der
Pforte zu schwinden begann. Vasile zielte auf den attraktiveren
walachischen Thron ab und griff Matei an, aber die Armee des
letzteren schlug die Moldauer, und eine Gruppe moldauischer Bojaren
verdrängte Vasile. Sowohl Matei als auch Vasile waren aufgeklärte
Herrscher, die Religion und Künste großzügig unterstützen,
Druckerpressen einrichteten und religiöse Bücher und Gesetzbücher
veröffentlichten.
Gegen Ende des 17.
Jahrhunderts, nach dem Sieg gegen die Osmanen, wurden Ungarn und
Siebenbürgen Teil des Habsburgerreichs.
Die Zeit zwischen
1711 und 1821 wird in der rumänischen Historiographie als die „Phanariotenzeit“
bezeichnet, eine Zeit des Verfalls und nationalen Desasters. Die
Walachei und Moldau verloren bis auf den äußeren Anschein ihre
Unabhängigkeit, und die Pforte forderte beträchtliche
Tributzahlungen ein. Als herrschende Fürsten wurden in den
Fürstentümern Mitglieder von bedeutenden griechischen Familien aus
dem Stadtviertel Phanar in Konstantinopel ernannt – daher die
Bezeichnung „Phanarioti“. Obwohl den alten Staatsverträgen („Kapitulationen“)
zwischen der Hohen Pforte und den rumänischen Fürstentümern zufolge
den osmanischen Untertanen verboten war, sich in den Fürstentümer
nieder zu lassen, zu heiraten, dort Land zu erwerben, oder Moscheen
zu bauen, erlaubten die Fürsten griechischen und türkischen Händlern
und Wucherern, die Reichtümer der Fürstentümer auszubeuten. Indem
sie ihre Privilegien eifersüchtig verteidigten, hemmten die Griechen
die sich entwickelnde rumänische Mittelklasse. Zu dieser Zeit
verzeichneten die rumänischen Fürstentümer schwere
Territorialverluste. Die Walachei verlor 1718 (Infolge des Vertrages
von Passarowitz) den westlichen Teil (die Kleine Walachei) an dem
Habsburgerreich, erhielt es aber 1739 (Vertrag von Belgrad) zurück.
1775 besetzte Österreich den nordwestlichen Teil der Moldau, die
Bukowina. 1812 besetzte Russland die östliche Hälfte des Fürstentums
(Bessarabien) und bekam den Landesteil zwischen Pruth und Dnister im
Frieden von Bukarest zugesprochen.
Erwachendes Nationalbewusstsein

Während der
Periode österreichischen Herrschaft in Siebenbürgen und osmanischer
Oberhoheit über den Großteil des übrigen rumänischen Gebiets mussten
sich die meisten ethnischen Rumänen mit einer Rolle als Bürger
zweiter Klasse (oder sogar Nichtbürger). In den meisten
siebenbürgischen Städten war den Rumänen nicht einmal das Wohnen
innerhalb der Stadtmauern erlaubt.
In der
romantischen Ära entstand mehr und mehr ein nationales Bewusstsein
unter den Rumänen, so wie unter vielen anderen Völkern in Europa. Da
sie sich im Kontrast zu den nahegelegenen Slawen, Deutschen und
Ungarn sahen, schauten die nationalistischen Rumänen nach Vorbildern
für die Nationalität in anderen romanischen Ländern, besonders
Frankreich.
Wie in den meisten
europäischen Ländern kam es 1848 in der Moldau, der Walachei und in
Siebenbürgen zu Aufständen. Ihre Ziele – völlige Selbständigkeit für
die ersten beiden und nationale Emanzipation für das dritte –
blieben unerfüllt, waren aber die Basis für folgende Entwicklungen.
Sie halfen auch der Bevölkerung der drei Fürstentümer, die Einheit
ihrer Sprache und Interessen zu erkennen.
Vereinigung und Königreich Rumänien

Die Wahl von
Alexandru Ioan Cuza als Fürst sowohl der Moldau als auch der
Walachei unter der nominalen Oberhoheit des Osmanischen Reiches
vereinigte 1859 eine identifizierbare rumänische Nation unter einem
gemeinsamen Herrscher. Am 8. Dezember 1861 proklamierte Alexandru
Ioan Cuza die Bildung des Fürstentum Rumänien aus den
Donaufürstentümern Moldau und Walachei. 1862 wurden die beiden
Fürstentümer auch formal vereinigt und bildeten Rumänien mit
Bukarest als Hauptstadt.
Am 23. Februar
1866 zwang die sogenannte „monströse Koalition“ aus konservativen
und radikalen Liberalen Cuza abzudanken. Der deutsche Prinz Karl von
Hohenzollern-Sigmaringen wurde zum Fürsten von Rumänien ernannt, mit
dem Hintergedanken, dadurch die deutsche Unterstützung für die
Einheit und die künftige Unabhängigkeit sicherzustellen. Seine
Nachkommen sollten als Könige von Rumänien bis zum Sturz durch die
Kommunisten 1947 herrschen.
Nach dem
russisch-türkischen Krieg von 1877 bis 78, in dem Rumänien an der
Seite Russlands gegen die türkische Herrschaft kämpfte, wurde
Rumänien durch den Vertrag von Berlin 1878 als unabhängig anerkannt.
Als Territorium wurde ihm die Dobrudscha hinzugefügt, gleichzeitig
musste es aber die drei Kreise Cahul, Bolgrad und Ismail im
südlichen Bessarabien im Bereich der Donaumündung (etwa ein Viertel
der Gesamtfläche) an Russland abtreten. Das Fürstentum proklamierte
sich am 26. März 1881 zum Königreich Rumänien, Karl wurde als Carol
I. der erste König von Rumänien. Der neue Staat, zwischen dem
Osmanischen, Österreich-Ungarischen und Russischen Reich eingezwängt,
mit slawischen Nachbarn an drei Seiten, schaute in Richtung Westen,
insbesondere nach Frankreich, nach kulturellen und administrativen
Vorbildern. Heute ist dieser Staat auch als Altreich bekannt.
Deutschland und
Österreich-Ungarn, die sich 1882 mit Italien in einem Dreibund
zusammengeschlossen hatten, versuchten Rumänien an sich zu binden,
um im Falle eines Konflikts zu vermeiden, dass sich Rumänien auf die
russische Seite stellen würde. In den Balkankriegen 1912/13 gelang
es, neutral zu bleiben, und Bulgarien, das aus dem zweiten
Balkankrieg als Verlierer hervorging, musste die Süddobrudscha an
Rumänien abtreten. Auch im Ersten Weltkrieg versuchte man neutral zu
bleiben; da Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, gab es
keine Bündnisverpflichtung.
Im Laufe des
Krieges änderten sich jedoch die Konstellationen. Italien erklärte
den Mittelmächten den Krieg, und Bulgarien trat auf Seiten der
Mittelmächte in den Krieg ein. 1916 trat Rumänien auf der Seite der
Entente in den Krieg ein, da man die Möglichkeit sah, bei einem Sieg
das mehrheitlich von Rumänen bewohnten Siebenbürgen einfordern zu
können. Die rumänische Armee agierte aber militärisch äußerst
unglücklich, und innerhalb weniger Monate war die gesamte Walachei
von deutschen Truppen besetzt. Erst im Sommer 1917 konnte die
rumänische Armee den deutschen Vormarsch stoppen. Am 7. Mai 1918
schloss Rumänien mit den Mittelmächten den Frieden von Bukarest.
Im November trat
Rumänien wieder in den Krieg ein und durfte von einer günstigen
militärisch-politischen Konjunktur profitieren: weil das
österreichisch-ungarische und das russische Reich verschwunden waren,
konnte Rumänien in den Friedensverhandlungen umfassende territoriale
Forderungen erheben, nämlich die Gebiete anfordern, wo es eine
absolute rumänische Bevölkerungsmehrheit gab. Jedoch wurden auch
Gebiete Rumänien zuerkannt, die mehrheitlich von Ungarn bewohnt
waren (Szeklerland und zahlreiche Grenzorte im Norden).
Regierungsgremien, die in Siebenbürgen, Bessarabien und in der
Bukowina gebildet wurden, entschieden sich für die Vereinigung mit
Rumänien, was im Vertrag von Trianon 1920 bestätigt wurde.
Die Jahre
zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg
In dem neuen „Großrumänien“
waren drei Viertel der Bevölkerung ethnische Rumänen. In
Siebenbürgen, Banat, Bukowina, Bessarabien und Dobrudscha lebten
zahlreiche Minderheiten. Die Wichtigsten Minderheiten waren die
Ungarn (7,9%), Deutschen (4,1%), Juden (4%), Ukrainer/Russinen
(3,2%), Russen (2,3%), Bulgaren (2%), Roma/Zigeuner (1,5%), Türken
(0,9%), Gagausen (0,6%) usw. Auch die Zahl der Rumänen die in den
Nachbarstaaten entlang der Grenzen Großrumäniens lebten war nicht
gering: 250.000 in der Sowjetunion (darunter 172.419 in der MASSR),
230.000 in Jugoslawien (serbisches Banat und Zentralserbien), 60.000
in Bulgarien (darunter 42.414 in der Umgebung von Widin) und 24.000
in Ungarn.
Die meisten der
Regierungen in den Zwischenkriegsjahren bewahrten die Form, aber
nicht die Substanz, einer liberalen konstitutionellen Monarchie. Die
Verfassung von 1923 gab dem König die Macht, das Parlament
aufzulösen und nach Gutdünken Wahlen anzusetzen; als Konsequenz gab
es zwischen 1930 und 1940 über 25 verschiedene Regierungen. Die
nationale liberale Partei, die in den Jahren unmittelbar nur dem
Ersten Weltkrieg dominierte, wurde immer nationalistischer und wurde
1927 durch die nationale Bauernpartei an der Macht abgelöst.
Während dieser
Zeit war die Beziehung zwischen den nationalistischen Parteien und
König Carol II. von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Nach dem Tod
seines Bruders Ferdinand 1927 wurde Carol wegen seiner bekannten
jüdischen Mätresse Magda Lupescu an der Thronbesteigung gehindert.
Nach drei Jahren im Exil, während deren sein Bruder Nicolae als
Regent und sein junger Sohn Mihai als König diente, gab Carol
öffentlich seine Mätresse auf und bestieg selber den Thron; es wurde
aber rasch klar, dass sein Verzicht eine Täuschung war.
In den 1930er
Jahren stieg eine Zahl von ultranationalistischen Parteien auf,
insbesondere die quasi-mystische faschistische Bewegung der Eisernen
Garde (auch: „Legion des Erzengels Michael“), die den Nationalismus,
die Furcht vor dem Kommunismus und Ressentiments gegen die
angebliche ausländische und jüdische Dominanz in der Wirtschaft
ausnutzte. Am 10. Dezember 1933 ließ der liberale Premierminister
Ion Duca die Eiserne Garde auflösen und tausende verhaften; 19 Tage
später wurde er von Legionären der Eisernen Garde ermordet.
Am 10. Februar
1938 entließ König Carol II. die Regierung und setzte eine
Königsdiktatur ein, um damit die Bildung einer Regierung zu
verhindern, der Minister aus der Eisernen Garde angehört hätten.
Dies geschah in direkter Konfrontation mit Adolf Hitlers
ausdrücklicher Unterstützung der Eisernen Garde.
Über die nächsten
zwei Jahre entwickelte sich der bereits heftige Konflikt zwischen
der Eisernen Garde und anderen politischen Gruppierungen unter
mehreren kurzlebigen Regierungen nahezu zu einem Bürgerkrieg. Im
April 1938 ließ Carol den Führer der Eisernen Garde Corneliu Zelea
Codreanu verhaften. In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1938,
vermutlich als Revanche für eine Reihe von Attentaten durch
Kommandos der Eisernen Garde, wurden Codreanu und mehrere andere
Legionäre getötet, angeblich bei einem Fluchtversuch. Man nimmt
allgemein an, dass solch ein Fluchtversuch nicht stattgefunden hat.
Die Diktatur durch
den König war kurzlebig. Am 7. März 1939 wurde mit Armand Călinescu
als Premierminister eine neue Regierung gebildet; am 21. September
1939, drei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde
Călinescu als Rache für Codreanu wiederum von Legionären ermordet.
Zweiter
Weltkrieg

Am 13. April 1939
hatten Frankreich und Großbritannien versprochen, die Unabhängigkeit
Rumäniens zu sichern, aber Verhandlungen um eine ähnliche Garantie
durch die Sowjets wurden abgebrochen, als Rumänien ablehnte, die
Rote Armee sein Territorium betreten zu lassen. Am 23. August
unterzeichneten Deutschland und die Sowjetunion den Molotow-Ribbentrop-Pakt,
der unter anderem das sowjetische Interesse an Bessarabien
festschrieb. Acht Tage später marschierte Deutschland in Polen ein.
Rumänien blieb offiziell neutral und gewährte Mitgliedern von Polens
fliehender Regierung Zuflucht. Nach der Ermordung des
Premierministers Călinescu versuchte König Carol noch mehrere Monate,
die Neutralität zu bewahren, aber Frankreichs Kapitulation und
Großbritanniens Rückzug vom Festland machte deren Garantien an
Rumänien hinfällig.
Antonescu
kommt an die Macht

Im unmittelbaren
Gefolge des Verlusts von Nordsiebenbürgen bildeten die Eiserne Garde
(geführt von Sima) und General (später Marschall) Ion Antonescu am
4. September 1940 die Regierung eines „nationallegionären Staats“,
welche die Abdankung Carols II. zugunsten seines 19-jährigen Sohns
Mihai erzwang. Carol und Lupescu gingen ins Exil, und Rumänien
näherte sich stark den Achsenmächten, trotz des vorausgegangenen
Verrats bezüglich der territorialen Abtretungen.
An der Macht,
verschärfte die Eiserne Garde die bereits harten antisemitischen
Gesetze und nahm Rache an ihren Feinden. Deutsche Truppen begannen
am 8. Oktober 1940, die rumänischen Grenzen zu übertreten und waren
bald 500.000 an der Zahl. Am 23. November trat Rumänien an der Seite
der Achsenmächte in den Krieg ein. Mehr als 60 vormalige
Würdenträger und Funktionäre wurden am 27. November im Gefängnis von
Jilava hingerichtet, während sie auf ihren Prozess warteten. Der
Historiker und frühere Premierminister Nicolae Iorga und der Ökonom
Virgil Madgearu, ebenfalls Minister in einer früheren Regierung,
wurden gar ohne Verhaftung ermordet.
Die Kohabitation
zwischen der Eisernen Garde und Antonescu war zu keinem Zeitpunkt
einfach. Am 20. Januar 1941 versuchte die Eiserne Garde einen
Staatsstreich, verbunden mit einem Pogrom gegen die Bukarester Juden.
Innerhalb von vier Tagen hatte Antonescu den Staatsstreich
niedergeschlagen. Die Eiserne Garde wurde aus der Regierung
ausgeschlossen. Sima und viele andere Legionäre nahmen in
Deutschland Zuflucht, andere wurden inhaftiert.
Am 22. Juni 1941
griff Deutschland mit rumänischer Unterstützung die Sowjetunion an.
Nachdem sie Bessarabien und die Bukowina zurückgewannen, kämpften
die Rumänen weiter Seite an Seite mit den Deutschen bis Odessa,
Sewastopol und Stalingrad. Der rumänische Truppenanteil war
beträchtlich; er war kleiner als der deutsche, aber größer als der
aller anderen Verbündeten zusammen. Insgesamt waren es 14 Divisionen,
aufgeteilt in zwei Armeen (3. und 4. rumänische Armee), die in der
deutschen Heeresgruppe Süd kämpften.
Rumänien
annektierte sowjetisches Gebiet unmittelbar östlich des Dnister,
einschließlich Odessa (Transnistria). Rumäniens wichtigster General
Petre Dumitrescu bekam das Kommando über die 3. rumänische Armee,
die zusammen mit der 6. deutschen Armee operierte. Sie stieß weit in
die Sowjetunion vor, bis sie bei Stalingrad durch die sowjetische
Gegenoffensive zerschlagen wurde, was auch zur Einkesselung der dt.
6. Armee führte. In der späteren Phase des Kriegs waren die
restlichen rumänischen Verbände durch gewendete Kriegslage gezwungen,
immer weiter zurückweichen.
Während der
Antonescu-Jahre versorgte Rumänien Deutschland und die Armeen der
Achsenmächte mit Öl, Getreide und Industrieprodukten, zumeist ohne
finanzielle Kompensation. Folglich wurde Rumänien um 1943 Ziel von
alliierten Bombardements, insbesondere mit einem Angriff auf die
Ölfelder von Ploieşti am 1. August 1943. Durch die unbezahlten
Exporte schoss zudem die Inflation in die Höhe.
Der
königliche Staatsstreich

Mit der
sowjetischen Gegenoffensive bei Stalingrad im Februar 1943 begann
sich das Blatt des Kriegs gegen die Achsenmächte zu wenden. Um 1944
lag die rumänische Wirtschaft durch die Kriegsausgaben und durch
alliierte Bombardements in Scherben, und es begann sich eine
Abneigung gegen die Last durch Deutschland selbst unter den
einstigen enthusiastischen Kriegsunterstützern zu entwickeln. König
Mihai, ursprünglich hauptsächlich eine Repräsentationsfigur, führte
am 23. August 1944 erfolgreich einen Staatsstreich mit Unterstützung
durch oppositionelle Politiker und durch die Armee. Er setzte
Antonescus Diktatur ab und brachte Rumäniens arg zugerichtete
Truppen auf die Seite der Alliierten. Im Kampf gegen Deutschland
erlitt Rumänien weitere heftige Verluste in Siebenbürgen, Ungarn und
der Tschechoslowakei.
Selbst nach dem
Seitenwechsel im August 1944 konnte König Mihai die Erinnerung an
die Teilnahme seines Landes an der deutschen Invasion in der
Sowjetunion nicht auslöschen. Obwohl rumänische Kräfte unter
sowjetischem Kommando kämpften, betrachteten die Sowjets Rumänien
als besetztes Territorium.
Die
Kommunisteperiode

Die Jaltakonferenz
hatte der Sowjetunion ein vorherrschendes Interesse an Rumänien
zugebilligt. Die Pariser Friedensverträge räumten Rumänien nicht den
Rang eines Mitalliierten zu, und die Rote Armee stand auf
rumänischem Boden. Die Kommunisten spielten nur eine kleine Rolle in
Mihais Kriegsregierung, an deren Spitze General Nicolae Rădescu
stand. Dies sollte sich 1945 ändern, als Dr. Petru Groza von der
Frontul Plugarilor, eine den Kommunisten nahe stehende Partei,
Premierminister wurde. Obwohl diese Regierung breit angelegt war und
Mitglieder der meisten größeren Vorkriegsparteien hatte, besetzten
die Kommunisten die Schlüsselministerien.
Der König war
nicht glücklich mit der Richtung dieser Regierung, und als er Grozas
Rücktritt erzwingen wollte, indem er die Unterzeichnung jeglicher
Gesetze verweigerte, entschied sich Groza, die Gesetze auch ohne
Mihais Unterschrift in Kraft zu setzen. Am 8. November 1945 wurde
eine antikommunistische Demonstration vor dem Königspalast in
Bukarest mit Gewalt aufgelöst, mit zahlreichen Verhaftungen,
Verletzten und einer unbestimmten Zahl an Toten.
Trotz der
Missbilligung durch den König führte die erste Groza-Regierung eine
Landreform durch und gab Frauen das Wahlrecht. Gleichzeitig brachte
sie aber auch den Beginn der Sowjetvorherrschaft in Rumänien. In den
Wahlen vom 9. November 1946 konnten die Kommunisten und ihre
Alliierten 80% der Stimmen verbuchen, wobei Wahlmanipulation eine
große Rolle gespielt hat. Mit machiavellischer Taktik gingen die
Kommunisten daran, den Einfluss der zentristischen Parteien zu
eliminieren. Die Nationale Bauernpartei wurde 1947 der Spionage
beschuldigt, nachdem klar wurde, dass sich ihre Führer geheim mit
US-Funktionären getroffen hatten. Andere Parteien wurden gezwungen,
sich mit den Kommunisten zu vereinigen. 1946 und 1947 wurden
zehntausende Angehörige des Regimes, das auf der Seite der
Achsenmächte gestanden hatte, als Kriegsverbrecher hingerichtet,
Antonescu selbst am 1. Juni 1946.
Mihai I. dankte
unter Druck am 30. Dezember 1947 ab und ging ins Exil. Eine
„Rumänische Volksrepublik“ wurde ausgerufen und am 13. April 1948
mit einer Verfassung formalisiert.
Die frühen Jahre der kommunistischen
Herrschaft in Rumänien waren durch wiederholte Kurswechsel und
Massenverhaftungen geprägt, und verschiedene Gruppierungen kämpften
um die Vorherrschaft. 1948 wurde die frühere Agrarreform rückgängig
gemacht und durch eine Hinwendung zur Kollektivierung ersetzt. Dies
führte zu zehntausenden von Festnahmen, ebenso wie die Bemühungen,
die Unierte Kirche zu eliminieren. Am 11. Juni 1948 wurden alle
Banken und großen Unternehmen verstaatlicht. Rumänien entwickelte
ein System der Zwangsarbeit und politischen Gefängnisse ähnlich zur
Sowjetunion. Beim erfolglosen Versuch, einen Donau-Schwarzmeer-Kanal
zu bauen, starben geschätzte 100.000 politische Häftlinge.
Mit Stalins
Rückendeckung, und wahrscheinlich unter dem Einfluss der
antisemitischen Politik des späten Stalinismus (Pauker war Jüdin),
gewannen Gehorghiu-Dej und die Einheimischen den Machtkampf. Pauker
wurde bei den Säuberungen zusammen mit 192.000 anderen
Parteimitgliedern aus der Partei ausgeschlossen. Pătrăşcanu wurde
nach einem Schauprozess hingerichtet.
Gheorghiu-Dej, ein
überzeugter Stalinist, war nicht von den Reformen in Nikita
Chruschtschows Sowjetunion nach Stalins Tod 1953 angetan. Er
fürchtete auch den Plan des RGW, aus Rumänien den „Brotkorb“ des
Ostblocks zu machen, da er ein Programm zur Entwicklung der
Schwerindustrie verfolgte. Er schloss Rumäniens größte Arbeitslager,
gab das Projekt Donau-Schwarzmeer-Kanal auf, stoppte Rationierungen
und erhöhte die Arbeiterlöhne.
Dies, verbunden
mit dem anhaltenden Ressentiment, dass mit der Gründung der
Moldawischen Sowjetrepublik historisch rumänisches Land Teil der
Sowjetunion war, führte Rumänien unter Gheorghiu-Dej unausweichlich
auf einen verhältnismäßig unabhängigen und nationalistischen Kurs
hin.
Gheorghiu-Dej
identifizierte sich mit dem Stalinismus und das liberalere
Sowjetregime drohte seine Autorität zu unterwandern. In einer
Anstrengung, seine Position zu festigen, versprach Gheorghiu-Dej
Kooperation mit jedem Staat – unabhängig von seinem
politisch-wirtschaftlichen System – solange er die internationale
Gleichheit anerkannte und sich nicht in die inneren Angelegenheiten
anderer Staaten einmischte. Diese Politik führte zu einer Festigung
von Rumäniens Beziehungen zu China, das ebenso nationale
Selbstbestimmung befürwortete.
1954 trat
Gheorghiu-Dej als Generalsekretär der Partei zurück, blieb aber
Vorsitzender. Ein kollektives Sekretariat aus vier Mitgliedern,
darunter Nicolae Ceauşescu, kontrollierte die Partei für ein Jahr,
nach dem Gheorghiu-Dej wieder die Zügel in die Hand nahm. Trotz
seiner neuen Politik der internationalen Kooperation trat Rumänien
1955 dem Warschauer Pakt bei, was zur Unterordnung und Integration
eines Teils seines Militärs in die sowjetische Militärmaschine
führte. Rumänien lehnte später Manöver des Warschauer Pakts auf
seinem Gebiet ab und schränkte seine Beteiligung an Militärmanövern
in anderen Ländern des Bündnisses ein.
1956 brandmarkte
der sowjetische Premier Chruschtschow Stalin in einer geheimen Rede
vor dem 20. Kongress der KPdSU. Gheorghiu-Dej und die Führung der
PMR waren gestärkt, die Entstalinisierung zu überstehen.
Gheorghiu-Dej machte Pauker, Luca und Georgescu zu den Sündenböcken
der Exzesse der rumänischen Kommunisten in der Vergangenheit und
behauptete, dass die rumänische Partei die stalinistischen Elemente
schon vor Stalins Tod gesäubert habe.
Im Oktober 1956
widersetzten sich die kommunistischen Führer in Polen den
sowjetischen militärischen Drohungen, sich in die einheimischen
Angelegenheiten einzumischen und ein fügsameres Politbüro
einzusetzen. Wenige Wochen später löste sich die kommunistische
Partei in Ungarn während einer Revolution praktisch auf. Polens
Trotz und Ungarns Volksaufstand inspirierten rumänische Studenten
und Arbeiter, in den Universitäten und Arbeiterstädten für Freiheit,
bessere Lebensbedingungen und das Ende der Sowjetvorherrschaft zu
demonstrieren. Da Gheorghiu-Dej fürchtete, dass ein ungarischer
Aufstand die ungarische Bevölkerung in seinem eigenen Land zur
Revolte aufstacheln könnte, setzte er sich für eine rasche
Intervention durch die Sowjets ein. Die Sowjetunion verstärkte ihre
Militärpäsenz in Rumänien, insbesondere entlang der ungarischen
Grenze. Wenngleich die Unruhen in Rumänien sich als bruchstückhaft
und kontrollierbar erwiesen, diejenigen in Ungarn waren es nicht,
und so startete Moskau im November einen blutigen Einmarsch in
Ungarn.
Nach der
Revolution von 1956 arbeitete Gheorghiu-Dej eng mit Ungarns neuem
Führer János Kádár zusammen. Obwohl Rumänien zunächst den exilierten
früheren ungarischen Premier Imre Nagy aufnahm, lieferte es ihn an
Budapest für einen Prozess und seine Hinrichtung aus. Im Gegenzug
gab Kádár die ungarischen Ansprüche auf Siebenbürgen auf und
prangerte Ungarn, die dort die Revolution unterstützt hatten, als
Chauvinisten, Nationalisten und Irredentisten an.
Rumäniens
Regierung ergriff Maßnahmen, die Unzufriedenheit im Lande zu
lindern, indem man Investititionen in die Schwerindustrie
verminderte, die Produktion von Konsumgütern verstärkte, die
Wirtschaftsverwaltung dezentralisierte, Löhne erhöhte und Elemente
der Arbeiterselbstverwaltung einführte. Die Behörden schafften die
obligatorischen Lieferungen durch Privatbauern ab, beschleunigten
aber das Kollektivierungsprogramm Mitte der 1950er, wenn auch
weniger brutal als zuvor. Die Regierung erklärte die Kollektivierung
1962 für vollständig; zu diesem Zeitpunkt hielten kollektive und
Staatshöfe 77 % des bebaubaren Landes.
Trotz
Gheorghiu-Dejs Behauptung, dass er die rumänische Partei von
Stalinisten gesäubert habe, blieb er wegen seiner offenbaren
Mittäterschaft in den Parteiaktivitäten zwischen 1944 und 1953
anfällig für Angriffe. Bei einer Vollversammlung der PMR im März
1956 kritisierten Miron Constantinescu und Iosif Chisinevsch, beide
Politbüromitglieder und stellvertretende Premiers, Gheorghiu-Dej.
Constantinescu, der sich für eine Liberalisierung im Stil
Chruschtschows einsetzte, stellte eine besondere Bedrohung für
Gheorghiu-Dej dar, weil er gute Beziehungen zur Moskauer Führung
unterhielt. Die PMR entfernte Constantinescu und Chisinevsch 1957,
indem sie sie als Stalinisten denunzierte und sie der Mittäterschaft
mit Pauker bezichtigte. Danach musste Gheorghiu-Dej keine ernsthafte
Herausforderung seiner Führungsrolle befürchten. Ceauşescu ersetzte
Constantinescu an der Spitze der PMR-Kader.
Gheorghiu-Dej
erreichte nie eine wirklich für beide Seiten akzeptable Einigung mit
Ungarn über Siebenbürgen. Gheorghiu-Dej ging das Problem von zwei
Seiten an: indem er die Führer der Ungarischen Volksunion festnehmen
ließ und indem er 1952 im Szeklerland eine autonome ungarische
Region einrichtete.
Gheorghiu-Dej
starb 1965 unter unklaren Umständen (anscheinend als er wegen einer
medizinischen Behandlung in Moskau war). Nach einem unausweichlichen
Machtkampf wurde der vorher unauffällige Nicolae Ceauşescu sein
Nachfolger. Wo Gheorghiu-Dej einer stalinistischen Linie gefolgt
war, während die Sowjetunion in einer reformerischen Phase war,
erschien Ceauşescu nun zunächst als Reformer, und das zu einer Zeit,
wo die Sowjetunion unter Leonid Breschnew in eine neostalinistische
Richtung steuerte.
In seinen frühen
Regierungsjahren war Ceauşescu sowohl im Inland als auch im Ausland
populär. Landwirtschaftsgüter waren reichlich vorhanden, Konsumgüter
tauchten wieder auf, es gab ein kulturelles Tauwetter. Im Ausland
nahm man zur Kenntnis, dass er sich gegen den sowjetischen Einmarsch
in die Tschechoslowakei 1968 aussprach. Während sein Ansehen im
Inland bald verblasste, hatte er wegen seiner unabhängigen
politischen Linie weiterhin ungewöhnlich gute Beziehungen zu
westlichen Regierungen und mit Institutionen wie dem Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank. Unter Ceauşescu unterhielt Rumänien
diplomatische Beziehungen unter anderem mit Westdeutschland, Israel,
China, Albanien.
Die Phase von
Freiheit und scheinbarem Wohlstand sollte allerdings nur kurz sein.
In einem Versuch, die Geburtenrate zu steigern, setzte Ceauşescu ein
Gesetz durch, das Abtreibung und Empfängnisverhütung beschränkte:
beides war nur Frauen über 40 Jahren und solchen mit wenigstens 4
Kindern erlaubt; 1972 wurden diese Grenzen auf 45 Jahre bzw. 5
Kinder angehoben. In den 1980ern ging er noch weiter: obligatorische
gynäkologische Untersuchungen sollten Frauen identifizieren, die
ihre „patriotische Verantwortung“, zu gebären, umgingen. Die
Steuersätze wurden geändert, um Singles und Kinderlose zu
benachteiligen. Dennoch versuchten viele Frauen, besonders Not
leidende, ihr ungeborenes Kind mit Drähten oder Medikamenten
heimlich abzutreiben. Anti-Baby-Pillen, Verhütungsmittel und sogar
verfallene Abtreibungsmittel wurden auf dem Schwarzmarkt gehandelt.
Als Folge dieser Abtreibungsversuche (aber auch der schlechten
Ernährung) starben 11.000 Frauen, auch wurden massenhaft behinderte
Kinder geboren und in Waisenhäuser abgeschoben. Im Alter von drei
Jahren wurden sie von einer Ärztekommission untersucht, die über ihr
weiteres Schicksal entschied. Danach holte sich die Geheimpolizei
Securitate ihren Nachwuchs aus den Waisenhäusern. Die chronisch
kranken Kinder, die Kinder mit Entwicklungsschäden durch
Mangelernährung und die Zurückgebliebenen wurden in Heime wie z. B.
Cighid abgeschoben. Dort starben die meisten schon nach wenigen
Wochen am Hunger und an Krankheiten oder sie erfroren einfach.
Während
Gheorghiu-Dejs Haltung gegenüber der ungarischen Minderheit noch
doppelzüngig war, ging Ceauşescu offen repressiv vor. Schulen in
ungarischer Sprache, Verlagshäuser und kulturelle Institutionen
wurden weitgehend geschlossen. Ethnische Ungarn wurden gedrängt,
ihren Kindern traditionell rumänische Namen zu geben. Juden und
Deutschen erging es verhältnismäßig besser: sie waren im Verhältnis
zu den deutschen und israelischen Regierungen nützlich als
Verhandlungsmasse.
Andere
Verletzungen von Menschenrechten waren typisch für ein
stalinistisches Regime: der massive Einsatz der Geheimpolizei (die
Securitate), Zensur, massive Umsiedlungen, wenn auch nicht im selben
Maßstab wie in den 1950ern. Ganz Bukarest war mit einem Tunnelsystem
für die Securitate unterzogen, wie sich 1989 beim Aufstand
herausstellte.
Ceauşescus
Rumänien führte Gheorgiu-Dejs Politik der Industrialisierung fort,
produzierte aber immer noch wenige Güter, die qualitativ auf dem
Weltmarkt konkurrieren konnten. Nach einem Besuch in Nordkorea
entwickelte Ceauşescus eine megalomanische Vision zum völligen
Neuaufbau des Landes; dies wurde als Systematisierung bekannt. Ganze
Städte und schließlich ein Großteil der Hauptstadt Bukarest wurden
abgerissen und entweder durch nichtssagende Betongebäude oder (wenn
das Geld ausging) durch nichts ersetzt, dieses Schicksal traf u.a.
Teile der historischen Altstadt von Bukarest samt dem jüdischen
Schtetl.
Trotz allem, und
trotz der entsetzlichen Behandlung der „überzähligen“ oder kranken
Kinder, hatte das Land weiterhin ein gutes Schulsystem und im
allgemeinen ein gutes Gesundheitssystem. Beide wurden jedoch durch
die zunehmend überlebensnotwendige Korruption zerrüttet: Operationen
und Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen mussten in Naturalien oder
mit Bargeld „bezahlt“ werden, über 60-jährige erhielten oft gar
keine medizinische Versorgung. Nicht jedes
Industrialisierungsprojekt scheiterte: Ceauşescu ließ Rumänien ein
recht effektives System der Energieerzeugung und -übertragung
zurück, das in den letzten Jahren seiner Herrschaft jedoch
funktionsunfähig war. Die Heizkraftwerke, die auch Lignit und
Teerschiefer verfeuern mussten, wurden teilweise mit schwarzer Erde
betrieben, und die notwendige Brennwärme wurde nicht erreicht. Die
Temperatur in Wohnhäusern lag zeitweise bei 12-14 °C, der Strom
wurde vormittags, abends und nachts abgeschaltet. Bukarest erhielt
eine funktionierende U-Bahn. In vielen Städten wurden neue
Wohnblocks errichtet, die alte Bausubstanz wurde manchmal auf
persönlichen Befehl Elena Ceauşescus, dem Erdboden gleichgemacht.
Postkommunistische Ära

Unabhängig
von den beschriebenen Kontroversen hat Rumänien seit der Revolution
große Fortschritte bei der Institutionalisierung demokratischer
Prinzipien, Bürgerrechte und der Achtung der Menschenrechte gemacht.
Jedoch kann das Erbe von 44 Jahren kommunistischer Herrschaft nicht
plötzlich beseitigt werden. Die Mitgliedschaft in der
kommunistischen Partei war gewöhnlich die Vorbedingung für eine
höhere Ausbildung, Auslandsreisen oder einen guten Arbeitsplatz,
während der umfassende interne Sicherheitsapparat normale soziale
und politische Beziehungen untergrub. Den wenigen aktiven
Dissidenten, die unter Ceauşescu litten, muss es so erscheinen, dass
die meisten, die nach der Revolution als Politiker Karriere machten,
durch die Zusammenarbeit mit dem alten Regime kompromittiert sind.
Über 200 neue
politische Parteien entstanden nach 1989, die sich mehr um
Persönlichkeiten als um Programme drehten. Alle größeren Parteien
traten für Demokratie und Marktreformen ein, aber die regierende
Nationale Rettungsfront (FSN) schlug langsamere, vorsichtigere
Wirtschaftsreformen und ein soziales Sicherungsnetz vor. Im
Gegensatz dazu bevorzugten die Hauptoppositionsparteien – die
Nationalliberale Partei PNL und die Christlich-Demokratische
Bauernpartei PNŢ-CD – schnelle und radikale Reformen, unverzügliche
Privatisierung, und eine Schwächung des Einflusses der
exkommunistischen Elite. Es gibt zwar kein Gesetz, das
kommunistische Parteien verbietet, aber die alte kommunistische
Partei löste sich trotzdem auf, viele ehemalige Parteimitglieder
blieben aber aktiv.
Am 20. Mai 1990
wurden Präsidenten- und Parlamentswahlen abgehalten. Gegen Vertreter
der schon vor dem Krieg existierenden Nationalen Bauernpartei PNŢ-CD
und Nationalliberalen Partei PNL gewann Ion Iliescu 85,07 Prozent
der Stimmen. Die FSN (Front der Nationalen Rettung) erhielt 66.31
Prozent der Stimmen und erhielt so dreiviertel der Sitze im
Parlament. Die stärksten Oppositionsparteien waren die Demokratische
Allianz der Ungarn in Rumänien (UDMR) mit 7.23% und die PNL mit
6.41%. Er berief den Universitätsprofessor Petre Roman zum
Premierminister und begann vorsichtige Wirtschaftsreformen.
Die neue Regierung
tat schon früh einen entscheidenden Fehltritt. Unzufrieden mit dem
anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Einfluss von
Mitgliedern der Elite der Ceauşescu-Ära, trafen sich
antikommunistische Demonstranten auf dem Bukarester
Universitätsplatz zu einem Dauerprotest. Zwei Monate später wurden
Bergarbeiter aus dem Jiu-Tal nach Bukarest gebracht und trieben die
übriggebliebenden Protestierenden brutal auseinander. Präsident
Iliescu drückte öffentlich seine Dankbarkeit aus, was Viele davon
überzeugte, dass die Regierung die Aktionen der Bergarbeiter
initiiert habe. Die Bergarbeiter griffen auch die Hauptquartiere und
Häuser von Oppositionsführern an. Die Roman-Regierung stürzte Ende
September 1991, als die Bergarbeiter nach Bukarest zurückkehrten, um
höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen forderten. Ein
Technokrat, Theodor Stolojan, wurde zum Kopf einer Zwischenregierung
ernannt, bis neue Wahlen abgehalten wurden.
Das Parlament
entwarf eine neue demokratische Verfassung, die durch ein
Volksreferendum im Dezember 1991 angenommen wurde. Die FSN teilte
sich im März in zwei Gruppen auf, die von Ion Ilescu (FDSN) und
Petre Roman (FSN) geführt wurden. Romans Partei nahm anschließend
den Namen „Demokratische Partei“ (PD) an.
1992–1996
Die lokalen und
nationalen Wahlen im September 1992 zeigten eine politische Kluft
zwischen den großen städtischen Zentren und dem Land. Die ländlichen
Wähler, die für die Rückgabe des Großteils des Agrarlandes an die
Bauern dankbar waren, aber Änderungen fürchteten, bevorzugten
Präsident Ion Iliescu und die FDSN, während die städtischen Wähler
die CDR (ein Bündnis aus mehreren Parteien, unter denen die PNŢ-CD
und die PNL die stärksten waren, und Bürgerorganisationen) und
schnelle Reformen favorisierten. Iliescu wurde mühelos gegen fünf
andere Kandidaten wiedergewählt. Die FDSN gewann eine Mehrheit in
beiden Kammern des Parlaments. Die FDSN bildete im November 1992
eine Regierung unter Premierminister Nicolae Văcăroiu, einem
Ökonomen, mit parlamentarischer Unterstützung durch die
nationalistischen Parteien PUNR und PRM sowie die kommunistische
PSM. Aus der FDSN wurde im Juli 1993 die „Partei der Sozialen
Demokratie Rumäniens“ (PDSR). Im Januar 1994 wurde die Stabilität
der Regierungskoalition dadurch gefährdet, dass die PUNR ihre
Unterstützung zu entziehen drohte, sollte sie nicht Posten im
Kabinett bekommen. Im August 1994 bekamen zwei Mitglieder der
nationalistischen PUNR Kabinettsposten in der Regierung. Im
September gab der amtierende Justizminister bekannt, dass er in die
PUNR eingetreten sei. PRM und PSM verließen im Oktober bzw. Dezember
1995 die Regierung.
1996–2000
Die Kommunalwahlen
von 1996 ergaben eine große Verschiebung in der politischen
Orientierung der rumänischen Wähler. Die Oppositionsparteien setzten
sich in Bukarest und in den meisten größeren Städten in Siebenbürgen
und im Banat durch.
Der Trend setzte
sich in den nationalen Wahlen fort, und die Opposition dominierte
die Städte und gewann stark in den ländlichen Gegenden und den
einstigen Hochburgen außerhalb Siebenbürgens, die vormals von
Iliescu und der PDSR dominiert worden waren. Die Kampagne der
Opposition konzentrierte sich auf die beiden Themen
Korruptionsbekämpfung und Wirtschaftsreformen. Diese Botschaft fand
in der Wählerschaft Widerhall, und so kamen Emil Constantinescu und
die mit ihm verbündeten Parteien an die Macht.
Emil
Constantinescu von der „Demokratischen Konvention Rumäniens“ (CDR),
einem Wahlbündnis, besiegte bei der nächsten Wahl Präsident Iliescu
mit einem Abstand von 9% und wurde neues Staatsoberhaupt.
Die PDSR gewann
die größte Anzahl Sitze im Parlament, aber die Parteien der CDR, die
Demokratische Partei, die National Liberale Partei und der
„Demokratischen Verband der Ungarn Rumäniens“ (UDMR) bildeten
zusammen eine Koalitionsregierung der Mitte, die 60% der Sitze im
Parlament hinter sich hatte. Victor Ciorbea wurde Premierminister.
Ciorbea blieb bis März 1998 im Amt und wurde erst durch Radu Vasile
(PNŢ-CD) ersetzt, dann durch den Chef der Nationalbank Mugur
Isărescu.
Die Koalition aus
mehreren Parteien stellte sich als nicht immer einfach heraus, da
Entscheidungen oftmals durch lange Verhandlungen herausgezögert
wurden. Dennoch wurden mehrere entscheidende Reformen in die Wege
geleitet. Der Einfluss von ehemaligen Kommunisten und Mitgliedern
der „Securitate“ in der Staatsverwaltung wurde beseitigt, eine
funktionierende Marktwirtschaft eingeführt.
Die im Dezember
1996 gebildete Koalitionsregierung vollzog einen historischen
Schritt, in dem sie die UDMR und ihre ungarischen Unterstützer in
die Regierung einlud.
Im Juli 2000 gab
Präsident Emil Constantinescu bekannt, dass er nicht mehr
kandidieren wird.
2000–2004
Bei den
Parlamentswahlen im November 2000 scheiterte die christdemokratische
PNŢ-CD an der Wahlhürde, die liberale PNL und die Demokratische
Partei bildeten die eigentliche Opposition in Rumänien. Die PSD (Partei
des Demokratischen Sozialismus) unter Ion Iliescu verzeichnete einen
eindrucksvollen Sieg. Adrian Năstase wurde Premierminister der
Regierung, die 2003 durch mehrere Korruptionsvorwürfe erschüttert
wurde. Im Oktober 2003 mussten drei Minister aufgrund dieser
Vorwürfe zurücktreten.
Der EU-Beitrittsprozess
wurde weitergeführt. Demokratische Transparenz, Korruption und die
Handhabung der Pressefreiheit waren in Rumänien unter Iliescu und
Năstase problematisch.
Im Jahr 2002 wurde
Rumänien eingeladen, 2004 der NATO beizutreten. Dieser Beitritt
erfolgte im Zuge der NATO-Osterweiterung am 29. März 2004. Im selben
Jahr bestätigte die Europäische Union ihre Unterstützung für
Rumäniens Ziel, der Union 2007 beizutreten. Dazu waren jedoch in den
folgenden Jahren tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschaft
notwendig.
2004–2008
Am 28. November
und am 12. Dezember 2004 fanden Präsidentschaftswahlen statt. Die
beiden wichtigsten Kandidaten waren der amtierende Premierminister
Adrian Năstase von der PSD sowie der Bürgermeister von Bukarest
Traian Băsescu von der liberalen Allianz D.A. Während Năstase auf
die Kontinuität seiner ohnehin von Korruptionsskandalen geplagten
Regierung setzte, schrieb sich Băsescu eben den Antikorruptionskampf
auf der Fahne.
Traian Băsescu
gewann das Rennen und ernannte Călin Popescu Tăriceanu von der
liberalen Allianz D.A. zum Premierminister.
Am 28. November
wurde auch das Zweikammernparlament neu gewählt. Die größte Fraktion
bildet die D.A. aus PNL und PD, die mit PUR und UDMR eine
Mitte-Rechts-Regierung gebildet haben, die vor allem die Korruption
bekämpfen und Reformen in Landwirtschaft und Industrie durchführen
will.
Am 13. April 2005
stimmte das Europaparlament in Straßburg dem Beitritt Rumäniens zur
Europäischen Union zu. Seit dem 1. Januar 2007 ist Rumänien sowie
auch Bulgarien Mitglied der EU.
Im Präsens Rumänien hat einen neuen Ersteminister, Emil Boc.
Die Quelle: www.wikipedia.org